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Meinung

“Irgendwie check’ ich dieses System nicht… Was müssen die machen?”

Tokyo 2020 klopft an der Tür. Für mich wird das immer stärker spürbar. Die letzten Jahre habe ich mich gefühlt, als befände ich mich auf einer Science Fiction Motto Party, zu der jeder ein Star-Wars-Kostüm trägt. Nur ich bin als Mr. Spock aus Star Trek verkleidet. Beides irgendwie Weltraum, aber ich war dennoch der Typ aus dem anderen Universum.

Mit den olympischen Spielen im nächsten Jahr ändert sich dies mehr und mehr. Mit dem steigenden Interesse erreichen auch mich fast nach jedem Kurzdistanz-Event Fragen nach meiner Meinung zu Themen: Wie schätze ich die Leistung (vor allem der deutschen Athleten) nach Wettkampf X ein? Warum ist jemand, der auf das Weltcup Podium läuft kein DTU-Kaderathlet, warum ist aber ein Anderer im Kader? Was müssen die Athleten erreichen, um zu Olympia zu kommen? Und werden die Klingonen wirklich angreifen?

Mir macht dies deutlich, in welch unbekannte Ferne das Raumschiff DTU inzwischen geflogen ist. Kein Wunder: um in die Welt einer Laura Lindemann & Co einzusteigen, sollte man keine Berührungsängste mit mathematischen Formeln und langen PDF Dokumenten haben. Keine Sorge, dies hier wird kein neuer Frontalunterricht! Es wird ein Versuch, zur Halbzeit des olympischen Qualifikationszeitraumes einen Status Quo zu erfassen.

 Wenn ich alle Themen zusammenfasse, dann interessieren vor allem zwei Fragestellungen:

 1. Hat der Verband die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt und werden dabei die richtigen Athleten für Tokyo gefördert?

 Um es kurz zu machen: Ein klassisches Jein.

Positiv ist, dass es deutsche Athleten (auch Männer) in Tokyo geben wird. Sofern über die Weltcuprennen olympische Startplätze erkämpft werden, was der Fall ist, werden diese Startplätze besetzt.

Und der Kader? Langfristig gesehen, bekommen Weltcup Athleten, die sich bewiesen haben eine entsprechende Förderung, auch wenn das Nominierungssystem ab und an Schluckauf hat. Denn der negative Aspekt beinhaltet, dass sämtliche Nominierungskriterien unnötig kompliziert, aufgeblasen und viel zu überreguliert sind. Das System ist viel zu sehr darauf ausgelegt auszusortieren, als zu ermöglichen. Auf lange Sicht werden sich hartnäckige Talente immer durchsetzen. Ein aktuelles Beispiel ist Valentin Wernz. Während Wernz letztes Jahr vielversprechende Ergebnisse lieferte und aus meiner Sicht zu unrecht durch ein verbesserungsbedürftiges Nominierungsraster gefallen ist, hat er sich nun bis zu seinem ersten Weltcuppodium durchgekämpft. Um seine Nominierung kommt man schon seit seiner Leistung im Team Relay in Abu Dhabi nicht mehr herum. Letzten Endes trennt sich immer die Spreu vom Weizen aber reicht das?

Die Kurzdistanz hat allerdings in Deutschland ein weiteres Problem: Sie hat keine Kultur!

Auf den mittleren und langen Strecken ist das anders. Ironman, Challenge und 70.3 Wettkämpfe zu bestreiten sind ein Lebensgefühl, auch (oder gerade) im Profibereich. Wie viele deutsche Triathleten starten mit einer Profilizenz, obwohl sie wissen, dass sie wahrscheinlich nie den großen Wurf auf Hawaii schaffen werden. Egal, sie nehmen es in die Hand und versuchen es. Auf der Kurzdistanz gibt es so etwas kaum. Eine bereite „Masse“ an Athleten, die sich über Kontinental- und Europacups zum Weltcup bzw. schließlich WTS-Rennen hocharbeiten findet man nicht mehr. Zu oft brechen uns die Athleten nach der Juniorenzeit weg.

Am Wochenende qualifiziert sich mit Fabian Reuter ein Elite-Athlet für den Weltcup, ohne eine Kaderförderung genossen zu haben. Für viele unvorstellbar, denn in der öffentlichen Wahrnehmung ist Weltcup gleich „Kadersache“.

Zu meiner Zeit war das mal anders. Neben mir gab es viele Athleten, die im Europa- und Weltcups gestartet sind ohne dem Kader zuzugehören. Ein prominentes Beispiel: Patrick Lange. 

Von 2008 bis 2012 hat Lange zehn Starts in einem ITU Triathlon zu Buche stehen. Beim Europacup in Pontevedra im Jahr 2008 standen wir sogar gemeinsam an der Startlinie. Lange wird an diesem Tag 47er. Insgesamt waren an diesem Tag 14 (!!!) deutsche Athleten am Start. Mit dabei unter anderem: Nils Frommhold oder Per Bittner, beide ebenfalls ohne Kaderstatus. 

Der einzige Weltcupstart von Lange war 2012 und endete leider mit einem DNF. Bester Deutscher an diesem Tag: Nils Frommhold auf Platz 24 vor zum Beispiel Maurice Clavel alias „Mr. Krawall“ auf Platz 36. 

Ich habe mir in den Beispielen nur die inzwischen namenhaften Langdistanzathleten ausgesucht. Es haben sich aber noch viel mehr im Weltcup versucht. 

Nicht jeder ist für die Kurzdistanz geschaffen. Patrick Lange blieb über die Jahre hartnäckig und hat nun ganz offensichtlich seine Distanz und sein Rennen gefunden. Als zweifacher Hawaiisieger und Rekordhalter weint Lange seiner ITU Karriere sicher keine Träne mehr nach. Aber seine ersten Gehversuche waren dort.

 Raumschiff Enterprise muss wieder in die bekannten Galaxien, um am interplanetaren Leben teilzunehmen.

Heute scheinen ITU Rennen eher ein exklusives Thema für Kaderathleten aus zertifizierten Bundesstützpunkten zu sein. Mit Schuld daran sind künstliche und teilweise undurchsichtige Hürden, welche ein „Try & Error“ gar nicht erst möglich machen. Kaum jemand durchblickt ohne Rechenschieber, ob er die Regularien des nationalen Verbandes erfüllt hat.

Ein verständliches System für alle würde sich lohnen, denn um das Team steht es besser als man meinen möchte, womit wir zur zweiten Frage kommen:

2.    Wie gut sind denn die deutschen Athleten gerade?

 Neben dem Vorzeigestar Laura Lindemann formieren sich vor allem auf der Männerseite Talente, die international wieder an Boden gewinnen möchten und können.

Erste Erfolge kündigen sich an aber noch spielen deutsche Kurzdistanzler eine Außenseiterrolle. Das wird auch noch eine Weile anhalten. Die Zeiten, in denen deutsche Triathleten selbstverständlich mit Topergebnissen auf höchster Wettkampfebene nach Hause gehen, werden noch auf sich warten lassen. 

Die deutsche Kurzdistanz ist noch ein zartes Pflänzchen mit einer kleinen Wurzel. Damit sie wachsen kann, bedarf es einer Gießkanne und keiner Schere, die dafür Sorge trägt, dass sie nur in die gewünschte Richtung wächst.

Der Wille der junger Kurzdistanzler ist da. Das spürt man. Wenn man jetzt mehr in Förderungsprojekte statt in ausgefallene Zugangsregularien investiert, ist Potential für einen vielversprechenden Kurs gegeben.

Gregor Buchholz || Main Host

Gregor ist der initiator des bewegungsARTen Podcast und der kurzdistanzspezialist im Team. nach seinem u23 weltmeistertitel 2007 erfolgte die aufnahme in den deutschen nationalkader, dem er fast 10 jahre bis 2016 angehörte.

während seiner zeit auf der olympischen distanz gelangen ihm einige erfolge, wobei der 3. platz im WTS Stockholm 2014 heraussticht. Gregor ist damit der 4. deutsche überhaupt, dem es gelang ein podium in der world triathlon series zu erreichen.

nach dem ende seiner professionellen triathlon karriere absolvierte er 2018 sein debüt auf der Langdistanz beim ironman tallinn in 8:13 Stunden.

Matthias Knossalla || Co-Host

MATTHIAS IST DER COACH IM TEAM. NEBEN ZAHLREICHEN ALTERSKLASSENATHLETINNEN UND ATHLETEN BETREUT ER AUCH DIE TRIVOLUTION ACTION CREW, EINE ART NACHWUCHSTEAM AUF DER MITTEL- UND LANGDISTANZ, BEI DER JUNGE SPORTLER VON ERFAHRENEN MÄDELS UND JUNGS LERNEN KÖNNEN.

SEINE SPORTLICHEN WURZELN HAT DER SPORTWISSENSCHAFTLER IM BASKETBALL UND ANDEREN TEAMSPORTARTEN BEVOR ER 2009 DIE LIEBE ZUM AUSDAUERSPORT ENTDECKT HAT. SEIT 2015 IST ER BEI TRIVOLUTION-TRAINING.COM TÄTIG.

SELBER STARTET ER MIT EINER PRO-LIZENZ AUF DER MITTEL- UND LANGSTRECKE BEI IRONMAN UND CHALLLENGE RENNEN. SEINE GRÖSSTEN ERFOLGE SIND 2. PLÄTZE BEIM IRONMAN 70.3 RÜGEN, DER CHALLENGE SAMORIN SOWIE DER CHALLENGE DÄNEMARK (8:19H).

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Eva Buchholz || Co-Host

Eva hat ihre wurzeln im radsport (mtb/cross). nach dem umstieg zum triathlon war ihr grösster erfolg im elitebereich der deutsche meistertitel auf der mitteldistanz.

aufgrund langjähriger verletzungen musste sie jedoch den leistungssport aufgeben.

inzwischen ist sie eine gestandene altersklassen Athletin. ihr highlight im langdistanz triathlon war bisher der start beim ironman hawaii 2017.

Eva ist die erste meisterin der zwift nationals überhaupt. generell ist sie in virtuellen radrennen sehr aktiv und startet regelmässig beim cvr world cup.

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